Wie das Buch zum Kinde kommt

Mit Tüten, Paten und Bären:  

Seit zehn Jahren unterstützt die Bürgerstiftung für die Region Mosbach mit verschiedenen Aktionen die kindliche Freude am Lesen

Mosbach. (ub) Mit dem Lesen ist das so eine Sache. Mit dem Verstehen des Gelesenen erst recht. Vor Kurzem erst hat die jüngste Pisa-Studie ergeben, dass zwar die mittlere Lesekompetenz der Fünfzehnjährigen in Deutschland 2018 signifikant über dem Durchschnitt der teilnehmenden Länder liegt, die Gruppe der besonders lesestarken Jugendlichen sogar deutlich größer ist als im Schnitt, aber auch, dass der Anteil leseschwacher Jugendlicher bedeutsam angestiegen ist. Rund ein Fünftel der getesteten 15-Jährigen erreicht nur Grundschulniveau. Es klafft also was auseinander.

Einigkeit herrscht indes darüber, dass Lesen zu können, ein zentraler Teil des heutigen Kulturzeitalters ist – Digitalisierung hin oder her. Das Lesen zu fördern und Lesekompetenz zu stärken, hat sich auch die Bürgerstiftung für die Region Mosbach auf die Fahnen geschrieben. Mit Tüten, Paten und Bären ist man unterwegs – zu Kindern, Eltern, Lehrern, Erzieherinnen. Vor zehn Jahren begann mit der ersten „Ausfahrt“ der Lesetüten ein umfassendes Programm zur Stärkung des Lesefähigkeiten und der Lesefreude. „Beides geht doch Hand in Hand“, weiß Christel Mayer. Die ehemalige Grundschullehrerin macht sich in der Bürgerstiftung von Beginn an stark fürs Lesen. „Nicht alles, was wir uns vorgenommen haben, wurde auch von Erfolg gekrönt“, denkt sie etwa an die Idee des zweisprachigen Vorlesens. „Wir haben einfach nicht die Leute dafür gefunden.“

Neue Kapitel hat man trotzdem immer wieder aufgeschlagen, eingeschlagene Wege modifiziert. „In diesem Jahr fokussieren wir uns mit der Vorleseaktion nicht mehr nur auf den bundesweiten Vorlesetag, sondern geben unseren prominenten Vorlesern eine Woche die Gelegenheit, in einer Schule ein öffentliches Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens zu setzen“, beschreibt Patrizia Spitzer die Entwicklung. Seit August 2018 ist sie im Vorstand der Bürgerstiftung und bildet zusammen mit drei weiteren Frauen (s.u.) ein „Lesefördersuperteam“. Ehrenamtlich. Die Pisa-Ergebnisse seien eine Einladung an uns, weiter in Sachen Leseförderung aktiv zu sein. „Mitmacher sind uns jederzeit willkommen!“

Das öffentliche Vorlesen ist aber nicht nur für die Zuhörer ein Vergnügen. Dr. Harald Genzwürker, Chefarzt der Anästhesie in den Neckar-Odenwald-Kliniken und leitender Notarzt, hat selbst eine positive Rückmeldung aus der Klasse der Clemens-Brentano-Schule bekommen, in der er vorgelesen hatte, und er meldete seinerseits: „Ich mache gerne ich 2020 wieder mit.“ Vielleicht wird dann ja sogar etwas aus den Ideen, die Christel Mayer hegt: „Vorlesen an besonderen Orten und Vorlesen als Fortsetzungsroman.“ Die Unterstützung durch die Bürgerstiftung jedenfalls ist sicher.


 


Was läuft in Sachen Leseförderung

Lesetüte on tour: zum jeweiligen Schuljahresbeginn werden rund 750 Lesetüten in über 40 Grundschulen gebracht. Wichtigster Inhalt: ein Buchgutschein, der in den hiesigen Buchhandlungen eingelöst werden kann. Begleitet werden die Lesetütenlieferanten vom

Lesebär: Maskottchen und Sympathieträger fürs Buch, der als Beifahrer im Lesetütenmobil die Kinder entzückt.

Lesepatinnen/Lesepaten: ausgebildete, ehrenamtliche Vorleserinnen und Vorleser, die von Kindergärten und Schulen angefordert werden können. Die Ausbildung durch die Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) finanziert die Bürgerstiftung, die auch die Lesetüten bezahlt. Insgesamt liegt das jährliche Budget, mit dem die Bürgerstiftung das Lesen im Raum Mosbach fördert bei rund 10 000 Euro.

Lesepatenbibliothek: zirka 500 Bücher stehen (im Foyer) der Volksbank Mosbach parat, um dort von den Lesepaten ausgewählt und vorgelesen zu werden.

Mosbach liest vor: um den bundesweiten Vorlesetag am dritten Freitag im November schwärmen  rund 30 Vorleserinnen und Vorleser eine Woche lang aus in die Grundschulen. Viele sind Personen des öffentlichen Lebens, und aus dem erzählen sie – vor, beim oder nach Vorlesen aus einem Buch, das in der Klasse bleibt.  In den vergangenen Jahren hatte sich die Aktion auf den bundesweiten Vorlesetag konzentriert.

Autorenlesungen und Theateraufführugen für junge Leser: zusammen mit der AIM veranstaltet die Bürgerstiftung Lesungen, die mitunter theatralischen Aufführungen gleichen (und umgekehrt). Kinderbuchschreiber kommen mit ihren Werken und einer gehörigen Portion Lesefreude nach Mosbach, um mehreren Grundschulklassen gleichzeitig die spannende Welt der Bücher nahezubringen.

Das Leseteam bei der Bürgerstiftung: Christel Mayer, Patrizia Spitzer, Simone Garcia und Anne Schieg.